100 Jahre Oktoberrevolution am Slavischen Seminar der UZH

Ausstellung "Sturm auf den Winterpalast"

Sturm auf den Winterpalast - Bild

Kuratiert von Inke Arns und Sylvia Sasse, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds und von der Kulturstiftung des Bundes (Deutschland), Koproduktion von HMKV Dortmund und Slavischem Seminar Uni Zürich. Ausstellungsorte: Theater Gessnerallee Zürich, HMKV Dortmund, Muzeum Sztuki Łodz.

Wann: Zürich 24.09.2017-25.10.2017

Wo: Theater Gessnerallee (Nordflügel)

Die Ausstellung rekonstruiert das von Nikolaj Evreinov geleitete Massenspektakel „Sturm auf den Winterpalast“, das 1920 den Beginn der Oktoberrevolution nachstellen und Fotos für die künftige Erinnerung an das historische Ereignis liefern sollte.

Mit künstlerischen Beiträgen u.a. von Chto delat’, Milo Rau und Orange Alternative.

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Lehrveranstaltungen im HS 2017 am Slavischen Seminar

 

Do 16-18 Uhr: Sylvia Sasse "Reenact Revolution? Über Wiederholung im Theater, im Film und in der Politik" (Vorlesung)

Veranstaltungsort: Gessnerallee Zürich bis Mitte Oktober, danach Slavisches Seminar, Plattenstrasse 43, 8032 Zürich

Die Vorlesung beschäftigt sich mit der Darstellung der Oktoberrevolution in der zeitgenössischen Literatur, im Film und im Theater. Ausgangspunkt ist das Massenspektakel „Sturm auf den Winterpalast“, das unter der Leitung von Nikolaj Evreinov 1920, zum dreijährigen Jubiläum, veranstaltet worden ist.  Die Vorlesung beginnt deshalb in der Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast“ in der Gessnerallee Zürich und wird dort anhand der ausgestellten Materialien einen Einblick in die ästhetischen Strategien des Massenspektakels geben. Diskutiert werden Fragen zur Rolle der Kunst als Ort der Geschichtsschreibung und als Ort der Kritik von Geschichtsschreibung (Kunst als Zeugnis, als Dokument, als Reenactment, als Parodie, als Kritik von Geschichtsschreibung). Neben Evreinovs Massenspektakel diskutieren wir u.a. Aleksander Bloks Poem „Dvenadcat’“ (Die Zwölf), Vladimir Majakovskijs Stück „Misterija-buff“ (Mysterium buffo), Maksim Gor’kijs Aufzeichnungen „Nesvoevremennye mysli“ (Unzeitgemässe Gedanken), Sergej Ėjzenšteijns Film „Oktjabr’“ (Oktober) und Sergej Pudovkins Film „Konec St. Peterburga“ (Das Ende von St. Peterburg).

Fr 10-12 Uhr: Sylvia Sasse "Texte und Bilder der Revolution 1917/1989" (Seminar/Übung)

Die Übung ergänzt die Vorlesung, führt aber zeitlich in in die Gegenwart hinein, indem sie Oktoberrevolution und Perestrojka einander gegenüberstellt. Wir werden Texte vom Anfang und Ende der Sowjetunion lesen und fragen, wie die Momente einer totalen gesellschaftlichen Veränderung, wie Umkehrung und Auflösung des Vergangenen sowie die Ungewissheit der Zukunft in den Künsten dargestellt und diskutiert werden.

Buch: Nikolaj Evreinov "Sturm auf den Winterpalast"

Buchcover Evreinov-Buch

Nikolaj Evreinov, „Sturm auf den Winterpalast“, hg. von Inke Arns, Sylvia Sasse, Igor Tchoubarov, aus dem Russischen von Gianna Frölicher, Anne Krier und Regine Kühn.

1920, zum dritten Jahrestag der Oktoberrevolution, wurde in Petrograd der "Sturm auf den Winterpalast" mit 10.000 Mitwirkenden aufgeführt. Das Massenspektakel unter der Leitung von Nikolaj Evreinov war eine Art falsches, trügerisches Reenactment. Es sollte an etwas erinnern, den Sturm auf den Winterpalast als Beginn der Revolution, das es selbst theatral und medial erst produzierte. Der Band rekonstruiert das Theaterereignis mit Texten, Fotografien und Zeichnungen und zeigt, wie nicht nur in der Sowjetunion aus dem Foto vom theatralen „Sturm“ ein historisches Dokument der Oktoberrevolution geworden ist.