Publikationen

In dieser Rubrik finden Sie eine Übersicht über aktuelle Veröffentlichungen wie Bücher, Monographien und Beiträge zu Sammelbänden von Mitgliedern des Slavischen Seminars sowie Veröffentlichungen auf der Internet-Plattform novinki.de.

Aktuelle Bücher

Dorota Sajewska, Fabienne Liptay, Sandra Frimmel, Sylvia Sasse (Hg.): Artur Żmijewski - Kunst als Alibi

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Kunst als Alibi – damit ist eine Strategie des polnischen Videokünstlers Artur Żmijewski benannt. In seinen Arbeiten rehabilitiert Żmijewski die Idee der Wirkung von Kunst auf die Gesellschaft als Konzept autonomer Kunstproduktion. Dabei verzichtet er radikal auf eine Ästhetisierung der Wirklichkeit. Kunst ist für ihn vielmehr ein »Werkzeug«, ein »Mechanismus« und manchmal auch nur das »Alibi«, um politisch in die Welt eingreifen zu können. Er arbeitet mit MuseumsdirektorInnen, mit Frauen im Gefängnis, mit KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen.
Der vorliegende Band versammelt ausgewählte Essays, Gespräche und Bilder ­Żmijewskis, die die Idee der künstlerischen Praxis, die er selbst auch »Angewandte Gesellschaftskunst« nennt, vorstellen und diskutieren. 

Broschur, 240 Seiten

Verlag: diaphanes, Zürich 2017 (Reihe: Denkt Kunst)

Sylvia Sasse (Hg).: Nikolaj Evreinov - Theater für sich

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Jeder Mensch ist ein Theatertier – so ließe sich Nikolaj Evreinovs dreibändiges, zwischen 1914 und 1917 verfasstes Werk zusammenfassen. Evreinov plädiert für mehr Theatralität (teatral’nost’) im Theater und im Leben, wobei er Theatralität nicht für etwas Künstliches hält, sondern für die natürlichste Sache der Welt: für einen menschlichen Instinkt. Die hier vorliegende deutsche Erstübersetzung soll nicht nur den in Vergessenheit geratenen Regisseur, Dramatiker und Theoretiker, der zu den wichtigsten Inno­vatoren der russischen Theateravantgarde zählte, wieder in Erinnerung bringen, sondern auch seine Überlegungen zur Theatralität für die ­heutige Diskussion erschließen.

Übersetzt von Regine Kühn. Broschiert, 504 Seiten

Verlag: diaphanes, Zürich 2017 (Reihe: Denkt Kunst)

Tomáš Glanc: Autoren im Ausnahmezustand. Die tschechische und russische Parallelkultur

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Erschienen in der Reihe: Das andere Osteuropa. Dissens in Politik und Gesellschaft, Alternativen in der Kultur (1960er-1980er Jahre). Beiträge zu einer vergleichenden Zeitgeschichte. Bd. 4, 2017, 406 S., ISBN 978-3-643-11182-1

Der Ausnahmezustand impliziert eine besondere Art der Präsenz. Begrenzte Veröffentlichungsmöglichkeiten machten die Autoren und das Medium des Schreibens oder Schaffens zu etwas Besonderem: Das Buch, die Lesung, die Ausstellung, die Kontextualisierung eines Werkes – all das wurde durch die Parallelkultur umkodiert. Ihre komparative Betrachtung kann Differenzen entdecken, vor deren Hintergrund die Spezifika deutlicher hervortreten. Gegenstand der Studie sind Darstellungsprismen, Formen der Selbstdarstellung, Kommunikationsstrukturen und Konstruktionen künstlerischer Kontinuitäten.
Tomás Glanc (* 1969) ist Slawist, Kulturwissenschaftler, Kurator. Beschäftigt sich mit russischen und tschechischen Themen, arbeitet an der Universität Zürich.

"Dieser Mont Blanc verdeckt doch die ganze Aussicht!": Der literarische Blick auf Alpen, Tatra und Kaukasus

Mont Blanc

Herausgegeben von Gianna Frölicher, Malgorzata Gerber, Nina Seiler, Sylvia Sasse.

Die Berge stehen in der Geschichte der ästhetischen Wahrnehmung für völlig konträre Konzepte: für die Ermöglichung und die Verhinderung des Sehens, für maximalen Enthusiasmus und völlige Gleichgültigkeit sowie für Modernität und Rückständigkeit. Das Buch versammelt achtzehn essayistische und literarische Beiträge, die sich mit dem Sehen auf und von den Alpen, der Tatra oder dem Kaukasus beschäftigen.

Hardcover, 336 Seiten
ISBN 978-3-906305-02-8
Verlag: Edition Schublade, Zürich 2016

Olga Burenina-Petrova, Gazinur Gizdatov. Teoriia medial’nosti i sovremennaia praktika.

teorija medialnosti

В учебном пособии представлен обзор западных филологических теорий от поэтики и герменевтики до теории медиальности (первый раздел), на основе которого предложен анализ современной медиальной практики Казахстана (второй раздел).
Учебное пособие предназначено для магистрантов специальностей «Журналистика», «Иностранная филология, Переводческое дело». Данное пособие представляет интерес для широкого круга специалистов-гуманитариев.

Olga Burenina-Petrova, Gazinur Gizdatov. Teoriia medial’nosti i sovremennaia praktika. Učebnoe posobie. Almaty: 2016

Tatjana Gofman: Sewastopologia

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Ein literarischer Erstling über das Fremdsein und das Ankommen. Ein Entwicklungsroman mit Erinnerungsbildern aus Ost und West, eine europäische Geschichte, die in eigenwilligem Ton und virtuos erzählt ist.
Die Krim ist ein Mythos für Russen und Ukrainer, und sie ist eine Realität für das kleine Mädchen, das hier aufwächst, als es mit dem Sowjetreich zu Ende geht. Das Mädchen nimmt beides mit, den Mythos und die verlorene Wirklichkeit, und zieht damit durch Europa. Mit den Eltern gelangt sie als Emigrantin nach Berlin, als Wissenschaftlerin und junge Mutter findet sie schließlich ihren Ort in der Schweiz.

Tatjana Gofman, heute Mitglied des geopoetischen Krim-Klubs, wurde 1983 auf der Krim geboren und ist dort aufgewachsen. Als Kulturvermittlerin lebt sie inzwischen – nach einigen Jahren in Berlin – in der Schweiz. Sewastopologia ist ihr literarisches Debüt.

Sandra Frimmel: Kunsturteile. Gerichtsprozesse gegen Kunst, Künstler und Kuratoren in Russland nach der Perestrojka

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Seit der Jahrtausendwende werden in Russland außergewöhnlich viele Gerichtsprozesse gegen Kunst, Künstler und Kuratoren geführt. Am Beispiel der beiden größten Prozesse gegen die Organisatoren der Ausstellungen "Achtung, Religion!" und "Verbotene Kunst 2006" befasst sich die Autorin mit dem Aushandeln der Bedeutung von Kunst(werken) und mit ihrer gesellschaftspolitischen Wirkung im Kontext des Gerichts. Im Fokus steht die Frage, mit welchen Mitteln durch die Prozesse versucht wird, einen normativen Kunstbegriff nicht nur argumentativ zu verhandeln, sondern auch dauerhaft und rechtlich verbindlich zu fixieren. Wie wird diskutiert, was die Kunst in Russland heute soll, darf und kann? Wie wirkt die Kunst? Und wo liegen die Grenzen der Kunstfreiheit?
Dr. Sandra Frimmel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNF-Projekt "Literatur und Kunst vor Gericht" und Koordinatorin des Zentrums Künste und Kulturtheorie der Universität Zürich.

Sylvia Sasse (Hg.): 'Das Lachen ist ein grosser Revolutionär'. Michail M. Bachtins Dissertationsverteidigung im Jahr 1946

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Lachen befreit von der Angst, und Lachen macht Angst. Es ist weder kulturenübergreifend akzeptiert noch generationen- und epochenübergreifend verständlich. Satiren, Karikaturen, Parodien sind wieder verstärkt Auslöser für Zensur, Verbote, Gerichtsverfahren und Terrorakte. Dass Lachen Angst macht, zeigen vielfach die Reaktionen auf Michael Bachtins Studie über die Lachkultur in Mittelalter und Renaissance Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur: In der Sowjetunion wurde Bachtins Buch als Angriff auf die revolutionäre Kraft des Volkes und als Verharmlosung des Klassenkampfes gelesen. Im heutigen Russland gilt Bachtins Karnevalstheorie als Angriff auf die Kirche, die sich durch das karnevalistische Weltbild in ihren Grundfesten erschüttert sieht. Das Buch stellt Auszüge aus Bachtins Dissertationsverteidigung von 1946 in deutscher Erstübersetzung vor und macht damit anschaulich, wie eine wissenschaftlich-inhaltliche Diskussion über Bachtins Buch mit Forderungen nach Parteilichkeit in der Wissenschaft kollidiert.
Zürich 2015: Edition Schublade

Gianna Frölicher und Sylvia Sasse (Hg.): Gerichtstheater. Drei sowjetische Agitgerichte

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"Gerichtstheater" war in der jungen Sowjetunion eines der populärsten Unterhaltungsgenres. Die Stücke gehören in den Bereich der Agitation, sind aber zum Teil auch sehr komisch, geradezu karnevalesk, wenn zum Beispiel Gott oder eine Mücke vor Gericht gestellt werden. Die drei hier ausgesuchten Agitgerichte stehen für unterschiedliche Phasen des Genres und zeigen, dass sich Theater und Gericht immer weniger voneinander unterscheiden lassen. Als das Genre in den 1930er Jahren verschwindet, wird es von einer theatralen Justiz, Laiengerichten und Schauprozessen regelrecht abgelöst.
Leipziger Literaturverlag 2015.

Olga Burenina: Simvolistskij absurd i ego tradicii v russkoj literature i kul'ture

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Исследование Ольги Бурениной посвящено теоретико-философскому моделированию абсурда в литературе и смежных искусствах. На фоне полемики с уже сложившимся теоретическим дискурсом об абсурде автор развивает концепцию, согласно которой абсурд понимается как феномен, возникающий в кризисные моменты истории, становясь в истории культуры трансформационным механизмом преобразования и перехода из обыденной сферы в сферу новую и неожиданную, из привычных формы и смысла — в иные, непривычные. В своей универсальной сущности абсурд является результатом творческого акта, устремленного к «сверхсинтезу», к совмещению в художественном тексте разнородных дискурсивных элементов, а также не сводимых воедино сторон изображаемой действительности. Теоретические положения проверяются автором на материале художественной литературы, театрального, графического, живописного искусства первой половины, преимущественно первой трети, XX века. Книга предназначается для специалистов по литературоведению, философии, искусствоведению и теории культуры, а также для всех тех, кто интересуется вопросами творческих инноваций в культуре.
St. Petersburg 2015: Aleteja (2. Auflage). ISBN 5-8322-9728-8.

Tatjana Petzer: Die Ordnung pluraler Kulturen. Figurationen europäischer Kulturgeschichte, vom Osten her gesehen

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Die aktuellen Verschiebungen Europas nach Osten haben Fragen brennend werden lassen, etwa die nach den kulturellen Grenzen oder, jenseits seiner politischen Konstituiertheit, nach der Verfasstheit und dem Regelwerk dieses "Gebildes" (Erich Auerbach). Auch dem genauen Blick zeigt sich keine Einheit, sondern vielmehr ein Prozess des Ordnens und eine Verhandlungskultur, umso mehr als eine topographische Konstellation exemplarischer Städte (Berlin, Beirut, Istanbul, Tblissi), Regionen und Länder (Georgien, Jugoslawien, Litauen, Palästina) den Gegenstand der hier versammelten kulturwissenschaftlichen Essays bildet.
Diese sind Forschungsergebnisse des am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin durchgeführten Verbundprojekts "Topographie pluraler Kulturen Europas" (http://www.zfl-berlin.org/europa-osten.html), das sich in seiner Untersuchungsanordnung an fünf Parametern orientierte: Textordnung, Bilderordnung, Kleiderordnung, Affektordnung, Grundordnung.
Berlin: Kulturverlag Kadmos 2014 (357 Seiten)

Matteo Bertelé, Sandra Frimmel (Hg.): La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale

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Das Buch La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale rekonstruiert die Debatten rund um eine hochpolitisierte Ausstellung: Die sogenannte Dissens-Biennale (Biennale del dissenso culturale) fand 1977 in Venedig anlässlich des 60. Jubiläums der Oktoberrevolution statt. Sie hatte den Anspruch, das Phänomen des Andersdenkens als Alternative zur offiziellen Ästhetik und Ideologie in den sozialistisch-kommunistischen Ostblockstaaten zu untersuchen. Dieses Vorhaben sorgte bereits lange vor der Eröffnung der Biennale für politische Missstimmung. Die Sowjetunion protestierte dagegen, dass eine inoffizielle Kultur, die im Land selbst von den offiziellen Institutionen nicht anerkannt wurde, im Ausland als repräsentativ gezeigt werden sollte. Nach der Eröffnung der zentralen Kunstausstellung La nuova arte sovietica: una prospettiva non ufficiale (Die neue sowjetische Kunst: eine inoffizielle Perspektive) waren die politischen Beziehungen zwischen der UdSSR und Italien schließlich derart angespannt, dass die Sowjetunion mehrere Jahre nicht an der Biennale di Venezia teilnahm.
Anhand teilweise bisher unveröffentlichter Archivdokumente und neu entdecktem Bildmaterial kommen in dieser Publikation die Organisatoren der Biennale, die beteiligten Künstler und Kuratoren, Kritiker und Journalisten sowie Vertreter der sowjetischen Kultur- und Außenpolitik zu Wort, sodass ein aufschlussreicher Dialog über empfundene und tatsächliche, künstlerische und politische Provokation entsteht.
Zürich: Edition Schublade 2014 (68 Seiten)

Tatjana Hofmann: Literarische Ethnografien der Ukraine - Prosa nach 1991

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Die Arbeit betrachtet, wie Prosatexte auf (meta)sprachlicher Ebene die Ukraine konzipieren – wie sie an der Writing Culture partizipieren und wie sie dafür das Konzept der Ethnografie, der Vertextlichung erlebter Räume, einsetzen. Sie geht auf diese Weise dem "ethnografischen" – Kultur beobachtenden und erschreibenden – Moment von Literatur nach, um eine theoretische und an komparatistischen Beispielanalysen ausgeführte Alternative zur postkolonialen Politisierung anzubieten. Vor der Folie des nationalen Diskurses stehen heterogene Repräsentationen verschiedener Regionen und Städte der Ukraine im Vordergrund.
Basel: Schwabe (Schwabe interdisziplinär) 2014.

Olga Burenina-Petrova: Cirk v prostranstve kul'tury. Moskva: Novoe literaturnoe obozrenie 2014

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В данной книге феномен цирка анализируется со всех возможных сторон – не только в жанровых составляющих этого вида искусства, но и в его семиотике, истории и разного рода междисциплинарных контекстах. Исследование предназначается специалистам по теории культуры и литературы, искусствоведам, антропологам, а также более широкой публике, интересующейся этими вопросами.

Sammelband: Eda po-russki v zerkale jazyka / Essen auf Russisch im Spiegel der Sprache, Moskva: RGGU 2013

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Der Band geht auf ein seinerzeit von der Stiftung INTAS der Europäischen Union gefördertes Forschungsprojekt zum Thema „Food stuff information: reality and illusions» zurück, das insgesamt 9 Forschende aus den Universitäten Omsk, Moskau, Wien/Klagenfurt und Zürich vereinte. Er umfasst in 5 umfangreichen Kapiteln Beiträge zu Geschichte und Gegenwart des Nahrungsdiskurses im Russland des 20. Jahrhunderts und beginnenden 21. Jahrhunderts. Prof. Weiss verfasste das Kapitel über den sowjetischen Nahrungsmitteldiskurs, das sich mit Plakat- und Printwerbung, Propaganda sowie dem zu den Ikonen der Sowjetkultur gehörenden Kochbuch „Buch über die schmackhafte und gesunde Nahrung” befasst (85 S.). (In russischer Sprache).

Sylvia Sasse: Jad v ucho. Ispoved' i priznanie v russkoj literature, Moskva: RGGU 2012

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Книга профессора славистики Цюрихского университета Сильвии Зассе посвящена одному из ключевых русских социокультурных феноменов - исповеди, - как он представлен в лучших образцах русской литературы XIX-XXI веков. Исповедь и признание рассматриваются автором во взаимной обращенности к контекстам религиозных и юридических практик, но не сводятся к ним. Зассе анализирует покаянно-исповедальные практики на фоне религиозных запретов и социальных табу, в контексте социальных, художественных, познавательных и медиаструктур. На материале сравнительного религоведения различных христианских конфессий Зассе обнаруживает нетривиальные расхождения в статусе признания в русской и западной литературах. Исследование легитимирует новые объекты изучения, которые вследствие актуального политического преследования и идеологических запретов находятся в маргинальной зоне современной русской культуры.

Tatjana Petzer, Angela Richter: "Isochimenen". Raum und Kultur im Werk von Isidora Sekulić. München 2012. (= Die Welt der Slaven: Sammelbände/Sborniki. 45)

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In einem Essay von 1924 entdeckte die serbische Schriftstellerin und Intellektuelle Isidora Sekulić (1877-1958) in den Literaturen »Isochimenen«. Anknüpfend an Alexander von Humboldts klimatologische Isothermen gründete sie ihre vergleichenden Literaturbetrachtungen auf den symbolischen Linien kultureller Berührungspunkte. Diese sind Gegenstand ihrer vielschichtigen Essayistik. Sekulićs literarische Schauplätze – das moderne Ich, die ‘kleinen Völker’ an den Rändern Europas, Konzepte des Ostens, der Geist der serbischen Kleinstadt, Kosmopolitismus, Kulturnationalismus und Figuren der (nationalen) Einheit – sind kontinuierliche Erkundungen des ‘Europäischen’.
Die Denkfigur der Isochimenen aufgreifend, diskutieren die Beiträge des Bandes Sekulićs vielschichtiges Gesamtwerk aus topographischer und transkultureller Perspektive in den geistesgeschichtlichen Zusammenhängen der serbischen Moderne und vor dem Hintergrund jüngster zeitgeschichtlicher Entwicklungen. Darüber hinaus dokumentiert der Band Sekulićs mediale Popularisierung in Serbien und ermöglicht durch Übersetzungen exemplarischer Texte Einblicke in ihr essayistisches und literarisches Schaffen.

Wiktoria Lomasko, Anton Nikolajew: Verbotene Kunst. Eine Moskauer Ausstellung, aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Sandra Frimmel, Berlin, Matthes & Seitz, 2012

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Ein realer Gerichtsprozess liegt dieser künstlerischen Bildreportage zugrunde. Die Ausstellung »Verbotene Kunst 2006« zeigte nur durch Gucklöcher Werke, die aus religiösen, politischen oder weltanschaulichen Gründen im Laufe des Jahres in den Galerien und Museen nicht gezeigt wurden, und provozierte derart viele Anzeigen und Klagen, dass die Ausstellungsmacher vor Gericht gestellt wurden. Dieser an Schauprozesse erinnernde Prozess wurde zum Politikum. Die Künstlerin Wiktoria Lomasko und der Journalist Anton Nikolajew verfolgten und dokumentierten die einzelnen Sitzungen im Gerichtssaal. Sie schildern den Prozess, der sich lange zog und teilweise groteske Züge annahm, mitsamt seinen Umständen. Ein in seiner Art einzigartiger Bericht, ein faszinierendes Spiel mit Engagement und Dokumentarismus, das die Berichterstattung zu einer eigenen, neuen Kunstform erhebt.

German Ritz: Poeta romantyczny i nieromantyczne czasy, Krakow, Verlag Zoll, 2011

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Der Novemberaufstand von 1830 schafft in der polnischen Romantik zwei unterschiedliche Modelle von Romantik, eine europäische vor und eine engagierte patriotische nach dem Aufstand. Słowacki sucht auf seinem Weg nach Europa, dem Weg eines Emigranten, die europäische Romantik stärker als Mickiewicz zu erhalten. Die Monographie zeichnet diesen Weg in drei allgemeinen und vor allem poetologischen Zugängen nach: die Konstruktion des romantischen Ichs zu Beginn des Schaffens, die Verwandlung der romantischen Ironie in dessen Zentrum und die romantische Frenesie am Ende der literarischen Entwicklung. Die drei programmatischen Kapitel begleiten drei Textanalysen: In der Schweiz, Mazepa, Priester Marek. Mit einer längeren Lektüre der zeitgenössischen Memoiren zur Romantik wird der ‚europäische‘ Dichter zum Schluss zurück in den polnischen Kontext versetzt.

Michail M. Bachtin, Zur Philosophie der Handlung, aus dem Russischen von Dorothea Trottenburg, eingeleitet und kommentiert von Sylvia Sasse, Berlin, Matthes & Seitz, 2011

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In diesem erstmals auf Deutsch veröffentlichten Frühwerk entwirft Bachtin eine "Erste Philosophie", die auf der Basis einer Fundamentalkritik Kants, des Neokantianismus, der Phänomenologie und der Lebensphilosophie gegen jeden Apriorismus und Theoretismus in der Philosophie argumentiert. Bachtin spricht sich dagegen aus, Kunst und Leben gänzlich zu trennen, er stellt das "Seinsereignis" und die Beziehung von Ich und Anderem in den Mittelpunkt seines Denkens.
Zur Philosophie der Handlung ist der erste längere philosophische Text Bachtins, geschrieben zwischen 1922 und 1924. Zu Lebzeiten Bachtins jedoch konnte der Text nicht veröffentlicht werden. Das Manuskript hatten Bachtins russische Herausgaber erst 1971, vier Jahre vor Bachtins Tod, aus einem Koffer geborgen.
Es war vergilbt, kaum mehr lesbar und ohne Titel, zudem fehlen die ersten 8 Seiten und vom ersten der vier angekündigten Teile sind nur sechzehn Seiten geschrieben. Nach 15-jähriger Entzifferungsarbeit konnte das Buch schliesslich 1986 auf Russisch erscheinen. Erst Sergej Bočarov, einer der Editoren, hat dem Fragment den Titel "Zur Philosophie der Handlung" gegeben."

Peter Brang, German Ritz, Sylvia Sasse, Daniel Weiss (Hg.): Den Blick nach Osten weiten, Fünfzig Jahre Slavisches Seminar der Universität Zürich (1961–2011), Zürich: Chronos 2011

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Der reich bebilderte Band ist ein Archiv der Zürcher Slavistik mit Dokumenten und Zahlen, die erstmals so publiziert werden. Er ist aber auch ein Erinnerungsort: Erinnerung an historische und persönliche Ereignisse und Erlebnisse ganz unterschiedlicher Generationen von Slavisten am Slavischen Seminar und bei ihrer Forschungstätigkeit in Osteuropa. Dass er als Archiv und Erinnerungsschrift auf diese Weise zustande kommen konnte, ist vor allem dem privaten Archiv von Peter Brang zu verdanken.
Und mit Archiv ist hier nicht nur das minutiöse Sammeln und Ablegen von Fakten gemeint, sondern vor allem ein schon fast unheimliches Erinnerungsvermögen, das die Arbeit an diesem Buch auch für die heutige Generation zu einer Entdeckungsreise durch die mal ruhigen und mal stürmischen Fahrwasser der letzten 50 Jahre hat werden lassen.

German Ritz (Hg.): Geschichtsentwurf und literarisches Projekt. Studien zur polnischen Hoch- und Spätromantik, Wiesbaden, Verlag Harrassowitz, 2011

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Die acht Studien konzentrieren sich einerseits auf das zentrale Doppelgespann polnischer Romantik auf Mickiewicz und Słowacki und rekrutieren ihre Beispielstexte vor allem aus der Zeit der 1830er und 40er Jahre, d.h. aus jener Zeit, in der die polnische Romantik zwar ihre zentralen Werke schreibt, aber gleichzeitig in ihrer speziellen Form der Emigrationsliteratur auch bereits Teil der Spätromantik wird, und sie suchen andererseits diesen spätromantischen Charakter literaturhistorisch zu erweitern und zu untermauern, indem sie zwei literarisch und weltanschaulich sehr verschiedene Exponenten der sog. Heimatliteratur einbeziehen, die in den 1840er Jahren im konspirierenden Polen bzw. im neuen, aber fremden Machtzentrum Polens nach dem gescheiterten Aufstand in Petersburg entsteht, Zmorski und Styrmer.
Die drei Teile von historischen Entwürfen, literarischen Projekten und spätromantischen Positionen erhalten in einem abschliessenden längeren Teil eine kulturhistorische Rahmung, in dem anhand von Memoiren aus und zu der ersten Hälfte des 19. Jhs. das grosse literarische Projekt der Nationswerdung aus der ‚authentischen’ Perspektive der privaten Erfahrung zu bestätigen, zu konkretisieren, aber auch auszudifferenzieren versucht wird.

Sylvia Sasse: Bachtin zur Einführung, Hamburg: Junius 2010

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Michail Bachtin (1895-1975) - Grenzgänger zwischen Philosophie, Philologie und Linguistik ist einer der inspirierendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Seine theoretischen Entwürfe zur Polyphonie und Dialogizität des Wortes, zum Chronotopos des Romans oder zum Karnevalesken als Gegenkultur haben die intellektuellen Debatten seit den späten 1970er Jahren bestimmt. Zu Lebzeiten jedoch wurde Bachtin kaum gelesen, nur wenige seiner Schriften konnten in der Sowjetunion unter seinem Namen erscheinen.
Im sowjetischen intellektuellen Leben wurde er von offizieller Seite marginalisiert und in der Verbannung isoliert. Die Einführung stellt Bachtins bekannte und weniger bekannte Werke seit den frühen 1920er Jahren vor und ordnet diese in den kulturhistorischen Kontext ihrer Entstehung und ihrer verspäteten Rezeption ein.

Peter Brang: Zvučaščee slovo, Moskva: Jazyki slavjanskoj kul'tury 2010

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Тема "устности" в этой книге рассматривается с самых разных сторон. За основу взят многогранный, междисциплинарный подход, совмещающий лингвистические и литературные аспекты с культурно-историческими и социальными. В первой части обсуждается вопрос преемственности "слуховой филологии" в России, прежде всего в основополагающих работах С.И.Бернштейна. Показана взаимосвязь теории стихового искусства с теорией декламации. Особое внимание уделено чтению Пушкина, Гоголя, Достоевского и Блока. В "Приложения" входят вопросы декламации в свете социолингвистики: исследуется внедрение художественного чтения в школьную систему России благодаря усилиям Боборыкина, Острогорского, Коровякова, Чернышева и других, а также указывается на значение международных связей в этом процессе.
Дается описание культуры публичного и семейного чтения, показывается роль чтецов-декламаторов, прослеживается история понятий "декламация", "художественное" и "выразительное" чтение, "живое" и "звучащее" слово. Отдельная глава посвящена судьбам хорового чтения в России - "коллективной декламации". В последней главе представлены, в сравнительном аспекте, польские традиции "устности".