Sturm auf den Winterpalast: Geschichte als Theater

Vorlesung: Reenact Revolution? Über Wiederholung im Theater, im Film und in der Politik

Im Jahr 1920 hat der russische Regisseur Nikolaj Evreinov gemeinsam mit einem Regiekollektiv den „Sturm auf den Winterpalast“  - den Beginn der russischen Revolution von 1917 - in einem riesigen theatralen Massenschauspiel mit 10.000 Akteuren und 100.000 Zuschauern am selben Platz, zur selben Zeit wie das angebliche historische Ereignis reenacted. Bis heute stammen die Bilder vom Sturm auf dem Winterpalast von diesem Theaterspektakel, nicht von der Revolution selbst. Mal werden sie als historische Fotos ausgegeben, mal als ein Filmstil von Sergej Ėjzenštejns Film Oktober.

Die Vorlesung und die Ausstellung „Sturm auf den Winterpalast“ rekonstruieren das Massenspektakel, die Geschichte des Fotos und fragen nach dem Sinn von Wiederholung und Fake-Wiederholung in den Theorien von Revolution und Theater.

Mit Gästen: u.a. Katrin Rothe (Filmemacherin) am 28.9., Marina Dalügge (Theaterwissenschaftlerin) am 5.10. und Alexander Karschnia (Theatermacher).

Zeit: Do 16-18 Uhr
Ort: Gessnerallee Zürich bis Mitte Oktober, danach Slavisches Seminar, Plattenstrasse 43, 8032 Zürich

Ausstellung: „Sturm auf den Winterpalast“. Geschichte als Theater

sturm

2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmet sich die Ausstellung Sturm auf den Winterpalast: Geschichte als Theater jener Fotografie, die wie keine andere zum Symbolbild dieser Revolution geworden ist: dem Sturm auf den Winterpalast. Allerdings stammt das Foto nicht vom historischen Ereignis selbst, sondern von einem theatralen Reenactment, das 1920 vom Theaterregisseur Nikolaj Evreinov nachgestellt worden ist. Aus der Fotografie eines Theaterereignisses wurde ein ‚historisches Dokument’. Die Ausstellung präsentiert Aufnahmen des Reenactments von 1920 (zwei Filme, ca. 70 Fotografien) sowie die Dokumentwerdung des Fotos in der sowjetischen Geschichtsschreibung, in Bildbänden, Schulbüchern und auf Plakaten. Zudem werden Arbeiten zeitgenössischer Künstler*innen gezeigt, die das Reenactment kommentieren.

Ort: Gessnerallee (Nordflügel), Zürich
Datum: 24. September – 25. Oktober 2017 (Eröffnung: Samstag, 23. September 2017)

 

Weiteres Programm:

  • „Revolution Talks“ – Beginn jeweils um 20h
    • am 26.9.17 mit Waldemar Fydrych (Orange Alternative),
    • am 10.10.17 mit Oxana Timofeeva (Chto delat’)
    • am 24.10.17 mit Milo Rau
  • Jeden Donnerstag Vorlesung von 16-18 Uhr: „Reenact Revolution?“ (Sylvia Sasse)
  • Führungen durch die Ausstellung: donnerstags 18 Uhr, sonntags 15 Uhr.

 

Kuratiert von Inke Arns & Sylvia Sasse

Eine Ausstellung mit Arbeiten von Nikolaj Evreinov, Chto Delat, Waldemar Fydrych (Orange Alternative) u.a.

Szenografie: Anton Lukas

Eine Veranstaltung des Slavischen Seminars der Universität Zürich in Kooperation mit dem HMKV (Hartware MedienKunstVerein), Dortmund

Gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF), die Universität Zürich und die Kulturstiftung des Bundes.

 

Die Ausstellung wird vom 25. November 2017 – 8. April 2018 im HMKV im Dortmunder U in Dortmund (DE) gezeigt und geht danach an das Muzeum Sztuki, Łodz (PL).