Semantik der russischen Dimensionskonstruktionen

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Abgeschlossenes Dissertationsprojekt von Anna Möhl

Как на Чебурашкины именины испекли мы каравай:
Вот такой вышины, / Вот такой нижины,
Вот такой ширины, / Вот такой ужины!
Каравай, каравай, / Кого любишь - выбирай!

Russisches Kinderlied

Grösse und Dimension stellen für Linguisten ein zweifaches Problem dar: Zum einen sind sie Einheiten der exakten Wissenschaften, zum anderen sind sie die beste Illustration der weitreichenden Divergenz zwischen dem wissenschaftlichen und dem so genannten „naiven“ sprachlichen Weltbild. Die Komplexität der nominalen Dimensionsbezeichnungen und die zahlreichen Faktoren, die für die Auswahl eines sprachlichen Parameters verantwortlich sind (zum Beispiel 3-Dimensionalität, Konfiguration, topologische Form und die „eigene Anatomie“ eines Objektes, die Position des Beobachters und der Relativismus der naiven Geometrie) wurden in der Sprachwissenschaft bisher nur ansatzweise behandelt.

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Das vorliegende Dissertationsprojekt untersucht die Semantik der russischen Mass- und Dimensionsbezeichnungen in Bezug auf die fünf linearen Parameter vysota (Höhe), glubina (Tiefe), dlina (Länge), tolščina (Dicke) und širina (Breite). Als Untersuchungsobjekt werden die oben genannten Parameter nicht nur als die prototypischsten Repräsentanten eines homogenen lexikographischen Typus (im Sinne der Moskauer Semantischen Schule) unter die Lupe genommen, sondern vielmehr als Elemente der einzelnen Dimensionskonstruktionen.
Die im Rahmen der Konstruktionsgrammatik und des lexikalisch-semantischen Ansatzes durchgeführte Analyse verfolgt zwei Ziele. Erstens möchte sie das Wechselspiel zwischen den einzelnen Elementen und der Konstruktion als Ganzes aufdecken und die damit verbundenen semantisch-syntaktischen Restriktionen beschreiben. Zweitens wird ein Versuch unternommen, ein kleines Fragment des russischen sprachlichen Weltbildes zu rekonstruieren. Die empirische Basis bilden das Nationalkorpus der Russischen Sprache (www.ruscorpora.ru) sowie Befragungen von native-speakers.
Promotion am 1.11.2012 erfolgt.

Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss