Zur Entwicklung slavischer Präpositionen und Verbalpräfixe

Dissertationsprojekt von Simon Oertle

Erstes Ziel meiner Arbeit ist es, einen Überblick über die Bedeutungen und Funktionen der wichtigsten slawischen Präpositionen und Verbalpräfixe zu bieten, die diese im Laufe der Sprachgeschichte angenommen haben bzw. heute zeigen. Mein besonderes Interesse gilt dabei der Frage, wie sich die nicht-räumlichen Bedeutungen und Funktionen aus den räumlichen Grundbedeutungen entwickelt haben.
Zunächst soll der Überblick folgendem Mangel abhelfen. Trotz ihres gemeinsamen Ursprungs und grosser semantischer Übereinstimmung werden die slawischen Präpositionen und Verbalpräfixe oft nur noch isoliert voneinander behandelt. Auch sind slavistische Studien, die versuchen, die gesamte Slavia im Blick zu haben, generell selten. Der angestrebte Überblick soll indes nicht Selbstzweck bleiben, sondern dem Sprachvergleich dienen.
Erst der multilaterale Sprachvergleich innerhalb der Slavia, aber auch über ihre Grenzen hinaus ermöglicht verallgemeinernde Aussagen darüber, ob eine einzelsprachliche Entwicklung ein singuläres, ein übereinzelsprachliches oder gar universales Phänomen darstellt. Die Funktion der Präposition u in Konstruktionen wie russ. U menja umerla babuška etwa stellt innerhalb der Slavia eine ostslawisch-russische Sonderentwicklung dar.
Die Bildung der slawischen Zahlwörter von 11 bis 19 mit na ‚auf‘ (russ. odin-na-dcat‘ ‚eins auf zehn‘) hat Parallelen in den Balkansprachen Albanisch und Rumänisch (ferner auch im Ungarischen), und die Raum-Zeit-Metaphorisierung darf als universales Phänomen gelten (russ. pered domom = jap. ie no mae ‚vor dem Haus‘, russ. pered Roždestvom = jap. kurisumasu no mae ‚vor Weihnachten‘). Schliesslich sollen die festgestellten Unterschiede bzw. Übereinstimmungen nicht nur dargestellt, sondern soweit möglich auch gedeutet und erklärt werden.

Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss