Geschichte der Slavischen Philologie in der Schweiz

Die Slavische Philologie in der Schweiz

An schweizerischen Universitäten kam es erst relativ spät zur Errichtung von Lehrstühlen für Slavische Philologie. Dies hängt einerseits mit der Mehrsprachigkeit der Schweiz zusammen, die vor allem den Austausch und Ausgleich zwischen der deutschen, französischen und italienischen Kultur zur ständigen Aufgabe macht, rührt andererseits aber auch vom Umstand her, dass ein unmittelbar politisch motiviertes Interesse fehlte. Die Schweiz hat keine gemeinsamen Grenzen mit einem slavischen Land und die slavischen Minderheiten, die infolge von Emigration und Migration im 19. Jh. sich in der Schweiz fanden, sind historisch zwar eine wichtige, aber in sich zu uneinheitliche Erscheinung, als dass sie ihren Willen zur kulturellen Repräsentation an den Hochschulen nachhaltig durchsetzen konnten. Die Anfänge und Anstösse einer Slavistik in der Schweiz gingen aber mehrheitlich von diesen Gruppierungen aus.Wir finden an den meist jungen schweizerischen Hochschulen seit der zweiten Hälfte des 19. Jhs. oft sehr zahlreichen Studierenden aus slavischen Ländern insbesondere aus dem zaris tischen Russland. Erwähnung verdient hier im besonderen die russische Studenteninvasion in Zürich zwischen 1869 und 1873, als zeitweise mehr als hundert russische Studierende an der Zürcher Universität immatrikuliert waren. Unter ihnen befanden sich viele Frauen – Zürich hatte als erste europäische Hochschule das Frauenstudium legalisiert. Mit dieser Episode dürfte die Tatsache in Verbindung stehen, dass sich schon 1872 in Zürich ein Privatdozent für russische und bulgarische Sprache habilitierte, Friedrich Haag (1848-1914) aus Diessenhofen. Er wurde im Jahr 1880 als klassischer Philologe nach Bern berufen und erhielt dort 1890 auch den Lehrauftrag für slawische Philologie, weil mit dem Zudrang der Russen die Prüfung in slawischen Sprachen begehrt wurde.Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gab es, was weniger bekannt ist, einen neuen und noch stärkeren Ansturm von Studenten aus slavischen Ländern. Im Wintersemester 1906/07 studierten an den Universitäten der Schweiz 2513 Russen und Russinnen, unter denen sich viele Polen und Ukrainer befunden haben dürften; sie machten 32,7% aller Studierenden aus. Im Sommersemester 1907 waren allein in Zürich 480 Russen immatrikuliert, die mehr als ein Drittel der Zürcher Studierenden bildeten. Die Existenz der Slavenwelt war somit auch an den schweizerischen Universitäten nicht zu übersehen. Indessen richtete nur die Universität Freiburg im Uechtland noch während des 19. Jahrhunderts, und zwar gleich in ihrem Gründungsjahr 1889, einen slavenkundlichen Lehrstuhl ein, den bis 1901 der Pole Jozef Kallenbach innehatte, von 1901-1919 sein Landsmann Stanislaw Dobrzycki.In Genf vertrat die Slavistik von 1928-1955 Sergej Karčevskij. Er war 1906 in Moskau wegen revolutionärer Tätigkeit verhaftet worden, war dann nach Genf geflohen und studierte dort Sprachwissenschaft bei Ferdinand de Saussure und Charles Bally. 1917 kehrte er bei Ausbruch der Februarrevolution nach Moskau zurück und machte hier den Zirkel der „jungen Moskauer Linguisten“, dem u.a. Roman Jakobson angehörte, mit de Saussures Cours de linguistique bekannt. 1920 emigrierte Karcevskij erneut, 1928 habilitierte er sich in Genf, wo er zunächst ei-nen Lehrauftrag und 1946 ein Extraordinariat erhielt. In Basel, an der ältesten Hochschule in der Schweiz, hat über 30 Jahre lang die 1882 geborene Russlandschweizerin Elsa Mahler gelehrt, zunächst im Rahmen eines Lektorats für Russische Sprache und Literatur, von 1938-1956 als Extraordinaria. Im Verlaufe der 50er und frühen 60er Jahre gelingt es das Fach slavische Philologie an allen Hochschulen der Schweiz zu etablieren, zunächst in der Form eines alleinigen Lehrstuhls, der zumeist für Literaturwissenschaft ausgelegt war. Während an den deutsch-schweizerischen Hochschulen das Fach als breite Slavistik anzubieten versucht wurde, figuriert vorab in Genf und nach dem Rücktritt von Constantin Regamey, polnisch-schweizerischer Abstammung, der 1949 in Lausanne den Lehrstuhl für „Langues et littératures slaves et orientales“ begründete, die Slavistik auschliesslich als Russistik. In den 70er und 80er Jahren kommt es an mehreren Hochschulen zu einem Ausbau des Faches. Zürich (1974) und Lausanne (1988) erhalten einen zweiten Lehrstuhl für Sprachwissenschaft, in Genf wird die Sprachwissenschaft durch eine ‚halbe’ Professur (Professeur associé) seit 1976 vertreten, und Basel (1991) und Zürich (1971) bekommen eine Ergänzung in der Neugründung eines Lehrstuhls für osteuropäische Geschichte im Rahmen der jeweiligen historischen Seminare oder Institute. Zur Gründung eines Osteuropa-Studiums, an denen sich mehrere Fächer zu einem interdisziplinären Studiengang und Seminar zusammenfinden, kommt es für nur kurze Zeit in Fribourg zwischen 1997-2002.Die Slavischen Seminare der Schweiz sind durch ihre starke geographische Nähe und durch die verschiedenen Schwerpunktbildungen zur Zusammenarbeit angehalten und haben dafür auch unterschiedliche Organisationsformen gefunden. Die Zusammenarbeit ist insbesondere in den letzten Jahren, auch auf Druck von aussen, intensiviert worden, um das Profil der Slavistik besser zu garantieren. Hervorzuheben ist hier die formale Zusammenarbeit der Slavischen Seminare von Bern und Fribourg, bei der die Spezialisierung auf Sprachwissenschaft in Bern und auf Literaturwissenschaft in Fribourg sich synergetisch ergänzen. Eine ähnliche Zusammenarbeit existiert auch zwischen den Seminaren von Lausanne und Genf. Zwischen Basel, Bern und Fribourg laufen Gespräche zur Organisation von interuniversitären, gemeinsamen Studiengängen innerhalb des neuen BA und MA in Slavischer Sprach- und Literaturwissenschaft, diese Initiative reagiert auf die drohende Streichung der Slavistik in Basel, die es inzwischen, freilich nach einer substantiellen Reduzierung des Etats, teilweise abzuwehren gelang. ündete, die Slavistik auschliesslich als Russistik. In den 70er und 80er Jahren kommt es an mehreren Hochschulen zu einem Ausbau des Faches. Zürich (1974) und Lausanne (1988) erhalten einen zweiten Lehrstuhl für Sprachwissenschaft, in Genf wird die Sprachwissenschaft durch eine ‚halbe’ Professur (Professeur associé) seit 1976 vertreten, und Basel (1991) und Zürich (1971) bekommen eine Ergänzung in der Neugründung eines Lehrstuhls für osteuropäische Geschichte im Rahmen der jeweiligen historischen Seminare oder Institute. Zur Gründung eines Osteuropa-Studiums, an denen sich mehrere Fächer zu einem interdisziplinären Studiengang und Seminar zusammenfinden, kommt es für nur kurze Zeit in Fribourg zwischen 1997-2002.Die Slavischen Seminare der Schweiz sind durch ihre starke geographische Nähe und durch die verschiedenen Schwerpunktbildungen zur Zusammenarbeit angehalten und haben dafür auch unterschiedliche Organisationsformen gefunden. Die Zusammenarbeit ist insbesondere in den letzten Jahren, auch auf Druck von aussen, intensiviert worden, um das Profil der Slavistik besser zu garantieren. Hervorzuheben ist hier die formale Zusammenarbeit der Slavischen Seminare von Bern und Fribourg, bei der die Spezialisierung auf Sprachwissenschaft in Bern und auf Literaturwissenschaft in Fribourg sich synergetisch ergänzen. Eine ähnliche Zusammenarbeit existiert auch zwischen den Seminaren von Lausanne und Genf. Zwischen Basel, Bern und Fribourg laufen Gespräche zur Organisation von interuniversitären, gemeinsamen Studiengängen innerhalb des neuen BA und MA in Slavischer Sprach- und Literaturwissenschaft, diese Initiative reagiert auf die drohende Streichung der Slavistik in Basel, die es inzwischen, freilich nach einer substantiellen Reduzierung des Etats, teilweise abzuwehren gelang.