Kunst als Geschichtsproduzent. Die mediale Entstehung und Entwicklung eines Geschichtsmythos anhand des Beispiels „Sturm auf den Winterpalast“

Sturm auf den Winterpalast

Sturm

Die aufgebrachten Arbeiter- und Soldatenmassen erheben sich und stürmen entschlossen den Winterpalast, wo die Regierung ihren Sitz hat. Die Erstürmung des Regierungsgebäudes besiegelt den Erfolg der sozialistischen Arbeiterrevolution. So oder so ähnlich wird die Geschichte der "Oktoberrevolution" von 1917 vielfach erzählt. Dieses Narrativ erzählt auch das berühmt gewordene Bild oben. Mit der Realität haben diese Erzählweise und das hier gezeigte Bild wenig zu tun. Das Bild stammt von einer Theateraufführung von 1920, bei genauerem Betrachten sind die vorgenommenen Retuschen klar ersichtlich.

Die historische Realität steht für das Dissertationsprojekt jedoch nicht im Vordergrund. Die Arbeit interessiert sich dafür, wie ein Mythos, ein Gerücht, sich nachhaltig zur prägenden Sicht auf ein historisches Ereignis entwickeln kann. Wie Geschichte konstruiert werden kann mithilfe von Bildern, Filmen oder Theaterspektakeln. Der Mythos vom "Sturm auf den Winterpalast" wird von seiner Entstehung 1917 durch ein ganzes Jahrhundert begleitet.

Doktorand: Andri Hürlemann

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Sylvia Sasse