Theater und/oder juridische Praxis - Sowjetisches Gerichtstheater der 1920er und frühen 1930er Jahre

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Das Dissertationsprojekt untersucht Theaterskripte sogenannter Agitsudy (Agitacionnye sudy: dt. Agitationsgerichte) aus den Jahren von 1920 bis etwa 1932, die nach der russischen Revolution vom Proletkul’t für die theatrale Aufführung durch Laiendarsteller in Arbeiter- und Dorfklubs zur Aufklärung der Massen konzipiert wurden.
Die untersuchten Stücke verbindet ihre gemeinsame Form: Alle inszenieren einen Gerichtsprozess, durch den der äussere Handlungsablauf, Rollen und gewisse Motive vorgegeben werden. In Agitsudy wurden beispielhaft moralische Vergehen vor Gericht gestellt, um die sowjetische Moralvorstellung, die neue Gesellschaftsordnung und zum Teil auch Rechtspraxis auf der Bühne vorzuführen und die Bevölkerung über das Theater als Urteilende, aber auch potentielle Verbrecher in die Rechtspraxis zu involvieren.

Doktorandin: Gianna Frölicher
Erstbetreuerin: Prof. Dr. Sylvia Sasse