Sommerschule der Zürcher Slavistik

Mehrsprachigkeit

13.-15. September 2021

Mehrsprachigkeit ist eines der interessantesten gemeinsamen Forschungsfelder von Linguistik, Literaturwissenschaft und Sprachpraxis. In der Sommerschule wollen wir uns verschiedenen Formen von Mehrsprachigkeit sowie dem alltäglichen, künstlerischen und didaktischen Umgang damit widmen.

Aus linguistischer Perspektive steht Herkunftssprachlichkeit als eine spezifische Form von Mehrsprachigkeit im Mittelpunkt. Herkunftssprachen sind gerade deshalb so spannend, weil sie Einblick in den Erwerb und den Erhalt von individueller Mehrsprachigkeit geben und so zum Verständnis von sprachlicher Variation und Sprachwandel beitragen können. 

Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive beschäftigen wir uns mit Autor:innen, die ihre Mehrsprachigkeit zum literarischen Verfahren von Verfremdung machen. Dabei geht es oft nicht um eine perfekte Sprachbeherrschung, sondern um eine Poetik des Fehlers, des Missverstehens, der dysfunktionalen Kommunikation und des semantischen Überschusses. 

In der Sprachpraxis stellen wir das Zürcher Projekt zur Interkomprehension, dem Erlernen von Sprachen durch verwandte Sprachen, vor. Welche Rolle kann diese Interkomprehension künftig in der slavistischen Sprachpraxis spielen? Was sind die ersten Ergebnisse? Die Slavistinnen Jelena Gall und Anna Möhl, die am Slavischen Seminar russische bzw. BKMS-Sprachpraxis unterrichten, werden gemeinsam mit der Studentin Jovanka Antić in das Forschungs- und Praxisfeld einführen.

Zu Gast sind der Linguist Bernhard Brehmer (Univ. Konstanz), der im Bereich seiner Forschung zu individueller und gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit einen besonderen Schwerpunkt auf slavische Herkunftssprachen legt. Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen, das Potential dieser speziellen Art von Mehrsprachigkeit auch sprachdidaktisch nutzbar zu machen. 

Die Literaturwissenschaftlerinnen Miriam Finkelstein (Univ. Graz) und Diana Hitzke (Univ. Giessen) haben in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft die Diskussion um Mehrsprachigkeit in den Literaturen mit verschiedenen Publikationen zur globalen slavischen Literatur und zum "Ende der Einsprachigkeit" (Hitzke) angestossen. 

Zu Gast ist auch die in Kroatien geborene deutschsprachige Schriftstellerin Dragica Rajčić, die 1986 mit ihrem literarischen Debut "Halbgedichte einer Gastfrau" das "Gastarbeiterdeutsch" zu einem literarischen Faktum machte. 

Nastasia Louveau, Doktorandin am Slavischen Seminar, wird als Louvovitch ihre mehrsprachigen (Deutsch-Französisch-BKMS) Songs vorstellen.

Programm

 
13.09.2021 Ort: RAA, Rämistrasse 59, G-01
16 Uhr Begrüssung: Sylvia Sasse/Barbara Sonnenhauser (Univ. Zürich)
16:15 Uhr «Sprachlandschaften»: Vorstellungsrunde der Teilnehmer:innen
18 Uhr Dragica Rajčić: «Buch von Glück» (Lesung und Gespräch)
 

Apéro

 

14.09.2021 Ort: Slavisches Seminar, Plattenstrasse 43, C-211
9-12 Uhr Bernhard Brehmer (Univ. Konstanz):
«Slavische Herkunftssprachen - Was sie uns über Erwerb und
Erhalt individueller Mehrsprachigkeit verraten»
  Catering
14-17 Uhr Mirjam Finkelstein (Univ. Graz) und Diana Hitzke (Univ. Giessen):
«Literarische Mehrsprachigkeit - eine Einführung. Verortungen,
Perspektiven und Lektüren» 
  Grill & Musik: Louvovitch: «easy-going, liebesdurstig und nešto drugo»

 

15.09.2021

Ort: Slavisches Seminar, Plattenstrasse 43, B-111 und C-211
9-12 Uhr

Werkstatt Linguistik: Slavische Herkunftssprachen (mit Bernhard
Brehmer) oder
Werkstatt Literaturwissenschaft: Mehrsprachigkeit und Übersetzung
(mit Mirjam Finkelstein und Diana Hitzke)

  Catering
13-14 Austausch Werkstatt
14:30-16:30 Jelena Gall, Anna Möhl, Jovanka Antić (Univ. Zürich):
Workshop Interkomprehension: Wie kann man verwandte Sprachen lernen? 

 

Anrechnung ans Studium

An der Universität Zürich wird die Sommerschule mit 3 ECTS angerechnet (Modul "Sommerschule In Sprachen leben: Mehrsprachigkeit im Alltag und in der Literatur"). Die Studierenden der UZH werden nach erfolgreichem Erbringen des Leistungsnachweises in das Modul eingebucht.

Studierenden aus anderen Universitäten der Schweiz oder aus dem Ausland stellen wir eine Teilnahmebescheinigung aus, damit die ECTS ggf. an der Heimuniversität angerechnet werden können.

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