Sprachwissenschaftliche Forschungsprojekte

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Die slavische Sprachwissenschaft steht im Spannungsfeld zwischen hard core-Systemlinguistik einerseits, wie sie sich z.B. in den Arbeiten der Moskauer semantischen Schule manifestiert, und den verschiedenen sozio-, pragma-, oder politlinguistischen "Bindestrich"-Linguistiken andererseits. Dazu kommen neue Standards für die empirische Absicherung und quantitative Untermauerung der eigenen Ergebnisse mithilfe umfangreicher elektronischer Korpora. Wichtige Impulse kommen auch aus der allgemeinen Sprachtypologie, die einzelsprachliche Eigenheiten der slavischen Sprachen relativiert oder aber schärfer profiliert.
Alle diese Vorgaben finden in den diversen laufenden Forschungs- und Dissertationsprojekten am Institut ihren Niederschlag. Es handelt sich mehrheitlich um russistische Vorhaben, zwei Arbeiten gelten der bosnisch/kroatisch/serbischen Sprachentwicklung, und im Rahmen des SNF-Projekts zur impliziten Kommunikation (siehe Startseite) kommen auch der tschechische und polnische politische Diskurs zu ihrem Recht.

Drittmittelprojekte

Sprachbeschreibung als Filter und Prisma: Die "Individualität" des Slovenischen (SNF, Laufzeit: 2016-2019)

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Brozović (1988) beschreibt das gegenwärtige Slovenische als "eine der originellsten und individuellsten" slavischen Sprachen, als ein "hochgradig individuelles sprachliches Phänomen". Dies führt er auf einen Komplex an Faktoren zurück, nämlich "its material base, the way it evolved, its special paths of development and […] the specific circumstances in which it was elaborated" (1988: 185). Damit ist zugleich das Forschungsprogramm für das vorliegende Projekt skizziert, das am Beispiel des Slovenischen die Interaktion von interner Entwicklung, externen Impulsen sowie metasprachlichen Faktoren nachzeichnen will, die zur funktionalen Entwicklung sprachlicher Strukturen beiträgt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Ausformung der Standardvarietät und ihrer metasprachlichen Einordnung innerhalb des Slavischen und im weiteren ausserslavischen Kontext.

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Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Sonnenhauser
Projektmitarbeiter: MA Martin Junge, BA Ines Dragojević

 

Blog: https://prismaslowenisch.wordpress.com/

"The Ukraine conflict 2014 as a battlefield of competing legitimisation discourses" (SNF, Laufzeit: 2015-2017)

Seit dem 1. August 2015 läuft am Slavischen Seminar unter der Leitung von Prof. em. D. Weiss ein sprachwissenschaftliches, vom Schweizerischen Nationalfonds und der UZH finanziertes Projekt mit vier MitarbeiterInnen zur Erfoschung des gegenwärtigen Ukraine-Konflikts. Mit den Mitteln der kognitiven und pragmatischen Linguistik soll erforscht werden, inwiefern die gegenläufigen russischen und ukrainischen offiziellen Diskurse vor und nach den Ereignissen auf dem Majdan als antizipierende oder reaktive Legitimierung der gewaltsamen Auseinandersetzung gedeutet werden können. Dabei wird auch die Stimme der russischen Opposition in der Ukraine und der abtrünnigen Donbas-Region berücksichtigt. Parallel dazu wird die Entwicklung der Ukraine-Diskurse in den zwei mittelbar betroffenen Staaten Polen und Tschechien rekonstruiert.

Weitere Informationen zum Projekt

Projektleitung: Prof. em. Dr. Daniel Weiss

Projektmitarbeitende: Martina Berrocal, Elena Kutos, Bartholomäus Nowak, Larysa Zavgorodnia

Abgeschlossene Drittmittelprojekte

Implizite und explizite Kommunikationsstrategien im politischen Diskurs Russlands, Polens und Tschechiens aus dem Zeitraum von 2006 bis 2013 (SNF, Laufzeit: 2012-2015, Verlängerung: 2015-2016)

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Seit dem 1.4.2012 ist am Slavischen Seminar ein vom Schweizerischen Nationalfonds gefördertes Forschungsprojekt zur impliziten Kommunikation im politischen Diskurs Russlands, Polens und Tschechiens aus dem Zeitraum von 2006 bis 2013 angesiedelt. Dabei soll anhand von gezielt auf Projektzwecke zugeschnittenen Teilkorpora aus Parlamentsdebatten, politischen TV-Talkshows und später auch Politiker-Interviews der Wirkungsweise von Ironie, Rhetorizität, Zitierung von sprachlichen Stereotypen und Prätexten wie Sprichwörtern, geflügelten Worten, Film- und Schlagerzitaten, Werbeslogans etc., frischen (nicht konventionellen) Metaphern und Metonymien sowie Tautologien nachgegangen werden.

Projektleitung: Prof. em. Dr. Daniel Weiss
Projektmitarbeitende: Katia Mažara, Bartholomäus Nowak

Dissertationsprojekte im Doktoratsprogramm Slavische Sprachwissenschaft

Diachrone Verschiebungen innerhalb des russischen Diathesensystems

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Die Leitfrage meines Dissertationsprojektes lautet: Wie wirkten sich diachrone paradigmatische Verschiebungen innerhalb eines Diathesentyps auf die Konstruktions- und Interpretationsmöglichkeiten benachbarter Strukturen aus? Es soll gezeigt werden, dass eine Rekonstruktion der Entwicklungslinie des russischen Passivparadigmas sowie seiner Interdependenzen mit rezessiven und quasipassiven Strukturen zu einem besseren Verständnis des synchronen Sprachsystems beitragen kann. Unter anderem soll erklärt werden, wieso perfektive Passiva den Wechsel von reflexiven Formen hin zu Partizipialkonstruktionen gerade im Futur später vollzogen haben als in anderen Tempora und aus welchem Grund sich die Aktionalitätsimplikation von analytischen Passiva im Futur hartnäckiger hält als in der Vergangenheit.
Projektbeschrieb

Doktorandin: Mirjam Zumstein
Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss

Aktueller Sprachgebrauch in Kroatien - die propagierten lexikalischen und grammatischen Neuerungen und ihre Akzeptanz bei den Sprechern

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Das Dissertationsprojekt verfolgt als Ziel eine deskriptive Bestandsaufnahme der sprachlichen Veränderungen in Kroatien seit 1991. Die bedeutendsten Veränderungen sind auf lexikalischer Ebene zu beobachten, da Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine Flut von Neologismen geprägt wurde. Einige kroatische Sprachwissenschaftler und Sprachaktivisten setzten alles daran, die kroatische Sprache zu "reinigen".
Der Sprachpurismus, welcher eine lange Tradition in Kroatien hat, erlebte eine neue Blütezeit. Es wurden Wörter wiederbelebt, die längst nicht mehr im Sprachgebrauch waren, und neue erfunden. All dies geschah mit dem Ziel, die Unterschiede zum Serbischen zu vergrössern. Es gibt auch eine Reihe grammatischer Neuerungen, die interessanter, da tiefgreifender als die lexikalischen Veränderungen sind.
Projektbeschrieb

Doktorandin: Mia-Barbara Mader Skender
Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss

Abgeschlossene Dissertationsprojekte

Zur Entwicklung slavischer Präpositionen und Verbalpräfixe

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Erstes Ziel meiner Arbeit ist es, einen Überblick über die Bedeutungen und Funktionen der wichtigsten slavischen Präpositionen und Verbalpräfixe zu bieten, die diese im Laufe der Sprachgeschichte angenommen haben bzw. heute zeigen. Mein besonderes Interesse gilt dabei der Frage, wie sich die nicht-räumlichen Bedeutungen und Funktionen aus den räumlichen Grundbedeutungen entwickelt haben. Zunächst soll der Überblick folgendem Mangel abhelfen. Trotz ihres gemeinsamen Ursprungs und grosser semantischer Übereinstimmung werden die slavischen Präpositionen und Verbalpräfixe oft nur noch isoliert voneinander behandelt. Auch sind slavistische Studien, die versuchen, die gesamte Slavia im Blick zu haben, generell selten. Der angestrebte Überblick soll indes nicht Selbstzweck bleiben, sondern dem Sprachvergleich dienen.
Projektbeschrieb

Doktorand: Simon Oertle
Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss

Die Anredeformen im Serbischen

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Das Phänomen der "Anrede" ist ein vielschichtiges Thema und seit den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts immer wieder Untersuchungsobjekt an der Schnittstelle zwischen sprach-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Aus (sozio-)linguistischer Sicht interessiert dabei vor allem, welche sprachlichen Formen überhaupt als Anrede, d.h. als explizite Referenz eines Sprechers auf sein Gegenüber, verwendet werden und wer wann für wen welche Form benutzt bzw. benutzen kann.
Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der Anrede im Serbischen; einer Sprache also, die sich jahrhundertelang im Grenzbereich zweier unterschiedlicher Kulturräume befand. Dies dürfte sich auch auf die Anrede ausgewirkt haben, was das Serbische zu einem speziell interessanten Untersuchungsobjekt macht.
Projektbeschrieb

Doktorandin: Sonja Ulrich
Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss

Semantik der russischen Dimensionskonstruktionen

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Das Dissertationsprojekt untersucht die Semantik der russischen Mass- und Dimensionsbezeichnungen in Bezug auf die fünf linearen Parameter vysota (Höhe), glubina (Tiefe), dlina (Länge), tolščina (Dicke) und širina (Breite). Als Untersuchungsobjekt werden die oben genannten Parameter nicht nur als die prototypischsten Repräsentanten eines homogenen lexikographischen Typus (im Sinne der Moskauer Semantischen Schule) unter die Lupe genommen, sondern vielmehr als Elemente der einzelnen Dimensionskonstruktionen.
Projektbeschrieb

Doktorandin: Anna Möhl
Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss

Buchprojekte

Sammelband: Essen auf Russisch im Spiegel der Sprache

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Der Band geht auf ein seinerzeit von der Stiftung INTAS der Europäischen Union gefördertes Forschungsprojekt zum Thema "Food stuff information: reality and illusions" zurück, das insgesamt 9 Forschende aus den Universitäten Omsk, Moskau, Wien/Klagenfurt und Zürich vereinte. Er umfasst in 5 umfangreichen Kapiteln Beiträge zu Geschichte und Gegenwart des Nahrungsdiskurses im Russland des 20. Jahrhunderts und beginnenden 21. Jahrhunderts. Prof. Weiss verfasste das Kapitel über den sowjetischen Nahrungsmitteldiskurs, das sich mit Plakat- und Printwerbung, Propaganda sowie dem zu den Ikonen der Sowjetkultur gehörenden Kochbuch "Buch über die schmackhafte und gesunde Nahrung" befasst (85 S.). (In russischer Sprache). Erschienen 2013 im Verlag der RGGU, Moskau.
Projektbeschrieb

Projektmitarbeiter: Prof. Dr. Daniel Weiss